Radio Noir

Albert Ostermaier

Ein Projekt von Janina Sachau, Reinar Ortmann, Julia Kent und Leopath
Bühne: Walter Padao

Albert Ostermaiers Monodrama Radio Noir ist ein in expressiver Sprache geschriebenes Großstadtpoem, das Versatzstücke aus Popkultur und Werbewelt zitiert. Eine Sirene der Nacht ruft als Nighttalkerin über den Äther zu Anarchie, Gewalt und Suizid auf. Sie taucht ein in die Geschichten ihrer Hörer. Ihr Name, Parthenope, verweist auf den antiken Mythos der Sirenen und ihren Selbstmord, nachdem ihre Verführungskräfte auf den trojanischen Helden Äneas keinen Einfluss mehr ausüben können. So sieht sich auch die Stimme in Ostermaiers Radio Noir mehr und mehr auf sich selbst zurückgeworfen und findet sich am Ende auf dem Balkon eines nächtlich-beleuchteten Hochhauses wieder.

In der Aufführung von Radio Noir, die im Frühjahr 2011 für das Nachtformat Plan B des Düsseldorfer Schauspielhauses erarbeitet wurde, treffen verschiedene Kunstgattungen aufeinander und präsentieren Ostermaiers assoziationsreichen Text als ein ‚szenisches Konzert', das über jeglichen bloßen Abbildungscharakter hinausgeht und ihm so unterschiedliche Ebenen erschließt. Zu Janina Sachaus Darstellung und Sprachgestaltung entwickelten Musiker des Kollektivs Leopath ein interaktives Sounddesign, bei dem die Musik direkt auf die Stimmungen des Textes reagiert und sich mit der Stimme von Janina Sachau und dem Cello von Julia Kent verbinden. Elektronisch hergestellte Sounds treffen dabei auf Julia Kents teils über Loops vervielfachtes Cellospiel, das die Seelenlagen der weiblichen Hauptfigur widerspiegelt. Der Düsseldorfer Künstler Walter Padao ließ sich durch den Text zu drei großformatigen Bildern inspirieren, die den Bühnenraum gestalten und zusätzliche Assoziationsebenen auf bildlicher Ebene eröffnen. Die szenische Leitung übernahm der Dramaturg Reinar Ortmann.

 

Janina Sachau, geboren 1976, war nach dem Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Staatstheater Darmstadt und am Theater Freiburg engagiert. Seit 2006 gehört sie zum Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses. Daneben wirkte sie als Sprecherin in zahlreichen Hörfunkproduktionen und Filmen mit. Für die Verkörperung der Hauptrolle in Requiem für eine romantische Frau wurde sie mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet.

Reinar Ortmann, geboren 1970, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Nach Assistenzen am Schauspiel Bonn arbeitete er als freier Dramaturg und Regisseur. Von 2001 bis 2009 leitete er das Off-Theater Die Pathologie in Bonn. Von 2009 bis 2011 war er Dramaturg am Düsseldorfer Schauspielhaus und ist seit der Spielzeit 2011/12 als Dramaturg des Schauspiels am Staatstheater Darmstadt engagiert.

Julia Kent wurde als Gründungsmitglied des Cello-Ensembles Rasputina und als Cellistin von Antony and the Johnsons bekannt. Sie arbeitete mit zahlreichen namhaften Künstlern zusammen und veröffentlichte 2007 ihr erstes Soloalbum „Delay". Die gebürtige Kanadierin lebt in New York und tritt auf Konzerten und Festivals weltweit auf. Ihr Spiel verbindet klassische Elemente mit sphärischen Klängen, elektronischen Mitteln und Elementen des Rock und Jazz.

Leopath ist eine experimentierfreudige deutsche Band. Minimale Melodiebögen, morbide Sounds und sphärisch-psychedelische Stimmungen werden mit stampfenden Rhythmen kombiniert. Industrial, Avantgarde, Pop und New Wave vereinen sich zu einem finsteren, melancholischem Rave.
Die dunkle und tiefe Stimme der Frontfrau Owl (Katharina Mietz) schwebt über den vielschichtigen Soundkollagen und Rhythmen von Andre Hasselmann und Michael Kamp.

Walter Padao, geboren 1965, studierte Malerei unter anderem bei Johannes Grützke und Martin Kippenberger. Seit 1996 lebt und arbeitet er in Düsseldorf. Seine gegenständlichen Arbeiten zeichnen sich durch eine hohe Expressivität und verschiedene Assoziationsschichten aus. Seine letzte große Ausstellung führte ihn im Sommer 2012 nach Hongkong.

25. Februar 2012 | 20 Uhr | Kammerspiele